meinegedichte

Lustige Gedichte

Stromvergleich 2014

 

                                                                          

Warum die Zitronen sauer wurden

Ich muß das wirklich mal betonen:
Ganz früher waren die Zitronen
(ich weiß nur nicht genau mehr, wann dies
gewesen ist) so süß wie Kandis.
 
Bis sie einst sprachen: "Wir Zitronen,
wir wollen groß sein wie Melonen!
                              Auch finden wir das Gelb abscheulich,                           
wir wollen rot sein oder bläulich!"
 
Gott hörte oben die Beschwerden
und sagte: "Daraus kann nichts werden!
Ihr müßt so bleiben! Ich bedauer!"
Da wurden die Zitronen sauer . . .
 
Heinz Erhardt

 

 

Der Schmetterling

Es war einmal ein buntes Ding
ein so genannter Schmetterling.

Der flog wie alle Falter
recht sorglos für sein Alter.

Er nippte hier - er nippte dort
und war er satt, so flog er fort.

Flog zu den Hyazinthen
und schaute nicht nach hinten.

So kam´s, daß dieser Schmetterling
verwundert war, als man ihn fing.

Heinz Erhardt  

 

 

Immer wenn ich traurig bin,
trink ich einen Korn.
 
Wenn ich dann noch traurig bin,
trink ich noch n' Korn.
 
Wenn ich dann noch traurig bin,
trink ich noch n' Korn.
 
Und wenn ich dann noch traurig bin,
fang ich an von vorn.

Heinz Erhart 

               

 

 

Fußball

Vierundvierzig Beine rasen
durch die Gegend ohne Ziel,
und weil sie so rasen müssen,
nennt man das ein Rasenspiel.

Rechts und links stehn zwei Gestelle,
je ein Spieler steht davor.
Hält den Ball er, ist ein Held er,
hält er nicht, schreit man: "Du Toooor !"

Fußball spielt man meistens immer
mit der unteren Figur.
Mit dem Kopf, obwohl's erlaubt ist,
spielt man ihn ganz selten nur.

 

Ritter Fips und sein anderes Ende

Es stand auf seines Schlosses Brüstung
der Ritter Fips in voller Rüstung.

Da hörte er von unten Krach
und sprach zu sich: "Ich schau mal nach !"
und lehnte sich in voller Rüstung
weit über die erwähnte Brüstung.

Hierbei verlor er alsobald
zuerst den Helm und dann den Halt,
wonach - verfolgend stur sein Ziel -
er pausenlos bis unten fiel.
Und hier verlor er durch sein Streben
als letztes nun auch noch das Leben,
an dem er ganz besonders hing - - - !

Der Blechschaden war nur gering ...

Schlußfolgerung:

Falls fallend Du vom Dach verschwandest,
so brems, bevor Du unten landest.

 

 

 

Die Made

Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.
Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.

Eines Morgens sprach die Made:
"Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl !
Halt, noch eins ! Denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa !"
Also sprach sie und entwich.-
Made junior aber schlich
hinterdrein; und das war schlecht !
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine
fade
Made
ohne Gnade.
Schade !

Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde . . .

 

 

 

Schimpfe nicht ...

Schimpfe nicht auf Sozialisten -
oder auf Nationalisten -
oder gar auf Klerikale -
und auch nicht auf Liberale !
Schimpf nicht auf die Kaisertreuen -
oder auf die Neo-Neuen - -
schimpfe nur auf jene, die's
Land regiern, als könnten sie's !

 

 

Ferien auf dem Lande

(Ich kam mit einem Auto an
und Koffern, sechs bis sieben.
Der Motor ging total entzwei,
so mußt zuletzt ich schieben.)

Ich wohn in einem Bauernhaus.
Die Milch ist frisch und sahnig.
Die Störchin auf dem Scheunendach,
sie schäkert mit dem Kranich.
Die Kuh macht "muh" - der Ochse auch,
sind schwer zu unterscheiden,
erst wenn man melken will, merkt man
den Unterschied der beiden.
Die Bauersfrau ist jung und schön.
Ich bin bei ihr der Kranich.
Ein Ochse ist ihr Herr Gemahl. -

(Zurück fahr mit der Bahn ich !)

 

Die Tänzerin

Erst tanzt sie nach rechts, dann tanzt sie nach links,
dann bleibt sie in der Mitte.
Dann tanzt sie nach links und wieder nach rechts,
sie hat so ihre Schritte.
Dann hebt sie den Arm, dann senkt sie das Haupt,
voll Schmerz sind ihre Züge.
Dann hebt sie das Haupt, dann senkt sie den Arm,
sie tanzt die "fromme Lüge".
Dann geht sie zurück und dann geht sie vor,
sehr schön ist dieser Vorgang.
Dann reißt sie sich hoch und dann fällt sie hin,
und dann fällt auch der Vorhang.

 

 

In eigner Sache

Ich häng oft den Gedanken nach,
die teilweis stürmisch, teils gemach
die Gänge meines Hirns erfüllen.
Doch denken kann ich nur im Stillen.
Im Wald zum Beispiel ! Zwischen Bäumen,
dort kann ich dichten, kann ich träumen.
In Gegenwart von Baum und Tier,
da kommen die Gedanken mir.
Allein, inmitten jener Wesen,
die schreiben können und auch lesen,
die lieben könnten, doch nur hassen,
fällt mir nichts ein, da muß ich passen !

 

Die Sängerin

Reihen, Stühle, braune, harte.
Eintritt gegen Eintrittskarte.
Damen viel. Vom Puder blasse.
Und Programme an der Kasse.
Einer drückt. Die erste Glocke.
Sängerin rückt an der Locke.

Leute strömen. Manche kenn ich.
Garderobe fünfzig Pfennig.
Wieder drückt man. Zweite Glocke.
Der Begleiter glättet Socke.
Kritiker erscheint und setzt sich.
Einer stolpert und verletzt sich.

Sängerin macht mi-mi-mi.
Impresario tröstet sie.
Dritte Glocke. Schrill und herrisch.
Sie erscheint. Man klatscht wie närrisch.
Jemand reicht ihr zwei Buketts.
Dankbarkeit für Freibillets.

Und sie zuckt leis mit den Lippen.
Beugt sich vor, als wollt sie kippen.
Nickt. Der Pianist macht Töne.
Sängerin zeigt weiße Zähne.
Öffnet zögernd dann den Mund.
Erst oval. Allmählich rund.

Und - mit Hilfe Ihrer Lungen
hat sie hoch und laut gesungen.
Sie sang Schumann, Lincke, Brahms.
Der Beginn war acht Uhr ahms.
Und um elf geht man dann bebend,
aber froh, daß man noch lebend,
heimwärts. Legt sich müde nieder. - - -
Morgen singt die Dame wieder.

 

Der Apfelschuß

Der Landvogt Geßler sprach zum Tell:
"Du weißt, ich mache nicht viel Worte !
Hier, nimm einmal die Tüte schnell,
sind Äpfel drin von bester Sorte !
Leg einen auf des Sohnes Haupt,
versuch, ihn mit dem Pfeil zu spalten !
Gelingt es Dir, sei's Dir erlaubt,
des Apfels Hälften zu behalten !"

Der Vater tat, wie man ihm hieß,
und Leid umwölkte seine Stirne,
der Knabe aber rief: "Komm, schieß
mir schnell den Apfel von der Birne !"

Der Pfeil traf tödlich - - - einen Wurm,
der in dem Apfel wohnte ....
Erst war es still, dann brach ein Sturm
des Jubels los, der'n Schützen lohnte !
Man rief: "Ein Hoch dir, Willi Tell !
Jetzt gehn wir einen trinken, gell ?"*


 Westfälische Fassung:
Man rief: "Der Tell, der schießt ja toll !
Jetzt gehn wir einen trinken, woll ?"

 

 

 

 

 

Das Unwetter

(frei nach Ludwig Uhland, dem Erfinder der gleichnamigen Straße)

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind
in dumpfer Stube versammelt sind.

Es sind versammelt in dumpfer Stube
Urahne, Großmutter, Mutter und Bube.

In dumpfer Stube - man weiß das schon -
sind Urahne, Großmutter, Mutter und Sohn.

Ein furchtbarer Krach ! Ein Blitz schlägt ein !
Der Urahne hört was und sagt: "Herein !"
Die dumpfe Stube entflammt und verglimmt
mit Urhammel, Großbutter, Butter und Zimt . . .

 

 

Harte Schicksale

Wer sich mal in die Nesseln setzt,
ist erst erschrocken, dann verletzt,
erhebt sich mühevoll und schreit
nach bessrer Sitzgelegenheit.

Den Nesseln, auch wenn sie schön blühn,
sind weiche Stühle vorzuziehn.
Auf Weichem sitzt man stets apart ...
Nicht weich zu sitzen, das ist hart !

 

Oben ohne

Natur ist immer dort sehr schön,
wo Bäume ihr zu Berge stehn,
und wenn der Wind behutsam leicht
wie'n Kamm durch diese Bäume streicht.

Doch wo die Berge kahl und steinig,
da ist nichts los! - Sei'n wir doch einig,
daß Schönheit meistens nicht viel zählt,
wenn's oben fehlt !

 

Ritter Fips und die Jungfrau

Bei jedem Wetter, auch beim Sturme,
rief man es mehrmals laut vom Turme:
"Hört, Leute, was wir euch verkünden:
Fips will eine Familie gründen !
Drum wünscht und hofft er, daß in Bälde
sich eine Jungfrau bei ihm melde !"

Es hub ein Suchen an und Spähen,
doch keine Jungfrau war zu sehen.
Die einzige, die man gefunden,
wurd grad von einem Kind entbunden.

Schlußfolgerung:
Will jemand eine Jungfrau frein,
darf er nicht so penibel sein.

 

An einen Nichtschwimmer

Du kannst nicht schwimmen? Ah, deshalb kriegen
Dich nicht Baldrian, nicht Kampfer
auf einen Dampfer !
Doch neulich hast Du ein Flugzeug bestiegen !
Kannst Du denn fliegen??

 

Noch'n Unterschied

Wir fuhren einst zusammen
tagtäglich mit der "Zehn",
jetzt fahren wir zusammen,
wenn wir uns wiedersehn !

 

Der Spatz

Es war einmal ein grauer Spatz,
der saß ganz oben auf dem Dache,
und unten hielt die Mietzekatz
schon seit geraumer Weile Wache.
Da sagte sich das Spätzlein keck:
"Mich kann das Biest nicht überlisten!"
Bums, kam ein Habicht um die Eck
und holte sich den Optimisten. -
So kann es allen denen gehn,
die glauben, nur sie wärn die Schlauen.
Man darf nicht nur nach unten sehn,
man muß auch mal nach oben schauen!

 

Der Stein

Fast wär vom Dach ein Ziegelstein
mir auf den Kopf geflogen,
jedoch "es hat nicht sollen sein":
er machte einen Bogen.

Daß er das tat, ja, das war gut !
Doch hat der Fall bewiesen:
man sei beständig auf der Hut
und geh nie ohne diesen !

 

Der kalte Wind

Es wohnt ein Wind in Leningrad,
der pustet kalt,
wer da nicht einen Mantel hat,
der hustet bald.

 

Die Weihnachtsgans

Tiefgefroren in der Truhe
liegt die Gans aus Dänemark.
Vorläufig läßt man in Ruhe
sie in ihrem weißen Sarg.

Ohne Bein, Kopf und Gekröse
ruht sie neben dem Spinat.
Ob sie wohl ein wenig böse
ist, daß man sie schlachten tat ?

Oder ist es hier zu kalt ihr?
Man sieht's an der Gänsehaut ...
Nun, sie wird bestimmt nicht alt hier:
morgen wird sie aufgetaut.

Hm, welch Duft zieht aus dem Herde
durch die ganze Wohnung dann !
Mach, daß gut der Braten werde,
morgen kommt der Weihnachtsmann

 

 

Kinder

Kinder haben es so leicht,
haben keine Sorgen,
denken nur, was mach ich jetzt,
nicht, was mach ich morgen ... ?
Kinder haben es so schwer,
dürfen niemals mäkeln
und sich wie der Herr Papa
auf dem Sofa räkeln . . .

Kinder haben es so leicht,
dürfen immer spielen,
essen, wenn sie hungrig sind,
weinen, wenn sie fielen . . .
Kinder haben es so schwer,
müssen so viel lernen
und, wenn was im Fernsehn kommt,
sich sofort entfernen . . .

Kinder haben es so leicht,
naschen aus der Tüte,
glauben an den lieben Gott
und an dessen Güte . . .
Kinder haben es so schwer,
müssen Händchen geben -
und auf dieser blöden Welt
noch so lange leben . . .

 

 

Milch

Es bot der arme Trödlersmann
dem Grafen ein Gemälde an,
das zeigte farbig, froh und frisch,
zwei Gläser Milch auf einem Tisch.
Der das gemalt, war namenlos -
das Bild dagegen rahmenlos.

Da sprach der Graf zum Trödlersmann:
"Was fang ich ohne Rahmen an?
Der Rahmen ist das A und O -
für dieses Machwerk sowieso!
Und dann der Preis! Ganz unerhört!
So viel sind zwei Glas Milch nicht wert!
Und außerdem fehlt, wie ich sag,
der Rahmen! Also - guten Tag!"

Da packte unser Trödlersmann
das Bild ein und sprach traurig dann:
"Wie doch's Intresse gleich erlahmt
an Milch, ist sie, wie hier, entrahmt!

 

 

 

Eßt mehr Fisch

Das Meer reicht bis zum Strande
und dann verläuft's im Sande
ganz plötzlich und abrupt.

In ihm gibt's viele Fische,
die essen wir bei Tische
gekocht und abgeschuppt.

Doch wozu gibt's die Gräten?
sie wären nicht vonnöten,
sie schmälern den Genuß.

Denn bleibt mal eine stecken,
so kann man leicht verrecken -
viel eher als man muß!

 

 

Ein Traum

Ich schlaf nicht gern auf weichen Daunen;
denn statt des Märchenwaldes Raunen
hör ich im Traume all die kleinen
gerupften Gänschen bitter weinen.
Sie kommen an mein Bett und stöhnen
und klappern frierend mit den Zähnen,
und dieses Klappern klingt so schaurig ...
Wenn ich erwache, bin ich traurig

 

 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Oft glänzt der Himmel strahlend blau,
und oft glänzt eine Hose,
oft glänzt die Nase einer Frau
vor dem Gebrauch der Puderdose.
Durch Abwesenheit glänzt das Glück!

Durchs Bohnern glänzt die Diele -
man rutscht drauf aus und bricht's Genick!
(Zu großer Glanz ist nichts für viele!)

 

Der Igel

Der Igel sprach zur Igelin:
"Du weißt nicht, wie verliebt ich bin!
Ich liebe dich wie nichts so."

Dann drückte er sie fest an sich,
worauf sie schrie: "Auch ich lieb' dich,
doch laß das sein, du stichst so!"

 

Heißer Mai

Es ist sehr heiß.
Leise rieselt der Schweiß.

Sogar die Lerche,
sonst kaum zu zügeln,
flattert ganz langsam:
sie schwitzt unter den Flügeln.

Und auch die Schwalbe
fliegt nur die halbe
Geschwindigkeit in der Stunde.

In aller Munde
ist dieses Lied :

Leise rieselt der Schweiß -
und das vor Ende des Mais!

 

 

 

Hund und Herrchen

Egal, von welcher Art und Rasse,
ob tief er bellt, ob hoch er kläfft,
der Hund macht alles auf der Straße -
und auf die Straße sein Geschäft.
Die Katze ist da etwas feiner:
sie hat ihr Klo, auf das sie geht,
und wie sie liebt, das sah noch keiner -
man hört es höchstens, abends spät.
Der Hund dankt stets für jede Strafe,
er leckt die Hand, die ihn versehrt.
Er ist des Herrchens treuster Sklave -
doch meistens ist es umgekehrt.

 

 

In der Schule drüben

"Sagt mir, ihr lieben Jungs, geschwind,
wer wohl die beiden Großen sind,
die denen, die reich und bezopft,
erfolgreich auf den Busch geklopft?
Die man seit vorigem Jahrhundert
studiert, versteht, liebt und bewundert?
Die wir durch Wort und Bilder kennen?
Wie mögen sich die beiden nennen?"

?????? ------ ??????

"Ihr wißt es nicht, ihr dummen Bengels?
Die Beiden heißen MARX und ----- ?!?"
Da meldete sich Hänschen Klein:
"Das könn'n nur MARX und MORITZ sein?!?"

 

 

Kinder

Kinder haben es so leicht,
haben keine Sorgen,
denken nur, was mach ich jetzt,
nicht, was mach ich morgen..?
Kinder haben es so schwer,
dürfen niemals mäkeln
und sich wie der Herr Papa
auf dem Sofa räkeln...

Kinder haben es so leicht,
dürfen immer spielen,
essen, wenn sie hungrig sind,
weinen, wenn sie fielen...
Kinder haben es so schwer,
müssen so viel lernen
und, wenn was im Femsehn kommt,
sich sofort entfernen...

Kinder haben es so leicht,
naschen aus der Tüte,
glauben an den lieben Gott
und an dessen Güte...
Kinder haben es so schwer,
müssen Händchen geben -
und auf dieser blöden Welt
noch so lange leben...


 

 

Kurz vor Schluß

Schön ist der Wein, bevor er getrunken,
schön ist das Schiff, bevor es gesunken,
schön ist der Herbst, solange es Mai ist,
schön ist der Leutnant, solang er aus Blei ist.

Schön ist das Glück, wenn man es nur fände,
schön ist dieses Buch, denn gleich ist's zu Ende

 

 

 

 

Letzte Bitte:

Der Tag geht nun zur Neige
und leise kommt die Nacht.
Ich danke Dir für alles,
was Du für mich gemacht.

Du hast mich stets getröstet,
wenn mir was nicht geglückt
und hast so oft aus Liebe
ein Auge zugedrückt.

Jetzt geht mein Weg zu Ende.
Und leg ich mich zur Ruh,
so falte meine Hände
und dann nimm Deine Hände:
drück beide Augen zu

 

Letzter Rat

Bevor man dich verbrennt zu Asche
verhindere, daß man dich wasche.
Versenkt man dich dann in den Keller,
verbrennst du, ungewaschen, schneller!

Wenn sie jedoch die Absicht haben,
dich einst im Ganzen zu begraben,
dann sei appetitlich, frisch und rein -
die Würmer werden dankbar sein!

 

 

Liebe Sonne

Nach so vielen Regenwochen
kamst du endlich vorgekrochen,
froh sind Menschen, Tier und Gras!
Schein auf unsre Mutter Erde,
daß sie wieder trocken werde,
liebe Sonne, tue das!

Trockne sie und unsre Tränen
und den Kuckuck, der ganz naß!
Schick uns nach den langen Qualen
deines Fehlens alle Strahlen -
und besonders diese netten,
diese ultravioletten!

Liebe Sonne, schein' uns was!

 

 

Nächstenliebe

Die Nächstenliebe leugnet keiner,
doch ist sie oft nur leerer Wahn,
das merkst am besten du in einer
stark überfüllten Straßenbahn.
Du wirst geschoben und mußt schieben
der Strom der Menge reißt dich mit.
Wie kannst Du da den Nächsten lieben,
wenn er dich auf die Füße tritt?!

 

Schal und Rauch

Und der Rauch der Zigarette
kräuselt sich und steigt zur Decke,
und da oben wird er breiter.

Und nun sieht er Deinem blauen
Schal so ähnlich, dem ich zürnte,
weil er das tat, was du ständig
mir verbotest, nämlich dieses:
Dich ganz zärtlich zu umhalsen.

Doch nun ist der Rauch verflogen.
nichts erinnert an den Schal mehr,
höchstens der Geschmack im Munde,
den ich habe, weil er schal ist.

 

Sehnsucht

Ich sehne mich nach einem Häuschen
in Bayern oder an der Spree,
ein Zimmer braucht es nur zu haben,
dazu ein Bad und ein W.C.

Im Zimmer würde ich notieren,
was ich beim Baden grad gedichtet,
und im W.C. würd' dann das Machwerk
von mir gleich hinterrücks vernichtet.

 

Trost

Immer wenn ich traurig bin,
trink' ich einen Korn.
Wenn ich dann noch traurig bin,
trink ich noch 'nen Korn.
Und wenn ich dann noch traurig bin,
dann trink ich noch 'nen Korn...

...und wenn ich dann noch traurig bin,
fang' ich an von vorn

 

 

 

Wahrheit:

Die schlechtesten Bücher sind es nicht,
an denen Würmer nagen,
die schlechtesten Nasen sind es nicht,
die eine Brille tragen.
Die schlechtesten Menschen sind es nicht,
die Dir die Wahrheit sagen

 

 

Was wär...

Was wär ein Apfel ohne -sine,
was wären Häute ohne Schleim,
was wären Vita ohne -mine,
was wärn Gedichte ohne Reim ?
Was wär das E ohne die -lipse,
was wär veränder ohne -lich,
was wären Kragen ohne Schlipse,
und was wär ich bloß ohne Dich ?

 

 

 

 

Weihnachten 1944
(Als ich keinen Urlaub bekam)

Wenn es in der Welt dezembert
und der Mond wie ein Kamembert
gelblich rund, mit etwas Schimmel
angetan, am Winterhimmel
heimwärts zu den Seinen irrt
und der Tag stets kürzer wird -
sozusagen wird zum Kurztag -
hat das Christkindlein Geburtstag!
Ach, wie ist man dann vergnügt,
wenn man einen Urlaub kriegt.
Andererseits, wie ist man traurig,
wenn es heißt: "Nein, da bedaur ich!"
Also greift man dann entweder
zu dem Blei oder der Feder
und schreibt schleunigst auf Papier
ein Gedicht, wie dieses hier:
Die Berge, die Meere den Geist und das Leben hat Gott zum Geschenk uns gemacht;
doch uns auch den Frieden, den Frieden zu geben, das hat er nicht fertiggebracht!
Wir tasten und irren, vergehen und werden, wir kämpfen mal so und mal so...
Vielleicht gibt's doch richtigen Frieden auf Erden?
Vielleicht gerade jetzt -- Aber wo?...

 

Zeus:

Im Himmel machte er die Blitze,
auf Erden aber lieber Witze.
So hatte er, als Tier verwandelt,
sehr oft mit Damen angebandelt

Einst näherte er sich - als Stier -
Europa und sprach keck zu ihr:
,,Ich bin der Zeus ! Macht keine Zicken
und setzt Euch hier auf meinen Rücken!
Halt't Euch am Home fest und flieht
mit mir dorthin, wo's keiner sieht!"
Erst zierte sich das Mädchen sehr ---
dann weniger - dann wieder mehr---
da wurde es selbst Zeus ganz klar,
wie uneinig Europa war!
Und es ist gar nicht übertrieben,
zu sagen, es sei so geblieben ! -

Durch alte Schriften ist belegt,
daß Vater Zeus fast unentwegt
nach unten kam, sich abzulenken --
statt oben ans Regiern zu denken,
bis seine Frau, die Hera hieß,
ihn einfach nicht mehr runterließ.
Im Himmel aber, da verlor
er jeden Sinn für den Humor -

drum hört man auch vom alten Zeus
nichts Neus!


 

 

Zur Pause

Ich sag' es ehrlich, oft geschah's,
das ich im Leben was vergaß;
doch manches wiederum hindessen
vergaß ich leider zu vergessen.
Was ich mit Recht vergessen sollte,
war, das ich noch was dichten wollte.
Deshalb, o Muse, fleuch' nach Hause,
ich mach jetzt

ZEHN MINUTEN PAUSE!

 

Kinder

Kinder haben es so leicht,
haben keine Sorgen,
denken nur, was mach ich jetzt,
nicht, was mach ich morgen...

Kinder haben es so schwer,
dürfen niemals mäkeln
und sich wie der Herr Papa
auf dem Sofa räkeln...

Kinder haben es so leicht,
dürfen immer spielen,
essen, wenn sie hungrig sind,
weinen, wenn sie fielen...

Kinder haben es so schwer,
müssen so viel lernen und,
wenn was im Fernsehn kommt,
sich sofort entfernen...

Kinder haben es so leicht,
naschen aus der Tüte,
glauben an den lieben Gott
und an dessen Güte...

Kinder haben es so schwer,
müssen Händchen geben —
und auf dieser blöden Welt
noch so lange leben...
 
 
 
 
 
 
Die Gans

Die Gans erwacht im grauen Forst
erstaunt in einem Adlerhorst.
Sie blickt sich um und denkt betroffen
»Mein lieber Schwan, war ich besoffen
 
 
 
Der Specht

Auf einem Baume saß ein Specht.
Der Baum war hoch. Dem Specht war schlecht.
 
 
 
 
 
Die Nase

Wenn gleich die Nas, ob spitz, ob platt,
zwei Flügel — Nasenflügel — hat,
so hält sie doch nicht viel vom fliegen,
nein, das Laufen scheint ihr mehr zu liegen
 
 
 
Das Reh

Das Reh springt hoch, das Reh springt weit.
Warum auch nicht — es hat ja Zeit!
 
 
 
 
Erfreulich

Es ist gewiß was Schönes dran,
am Element, dem nassen,
weil man das Wasser trinken kann!
Man kann's aber auch lassen!
 
 
 
 
Die Kuh

Auf der saftig günen Wiese
weidet ausgerechnet diese
eine Kuh,
eine Kuh.

Ach ihr Herz ist voller Sehnen
und im Auge schimmern Tränen
ab und zu,
ab und zu.

Was ihr schmeckt das wiederkautse
mit der Schnauze, dann verdautse
und macht muh,
und macht muh.

Träumend und das Maul bewegend,
schautse dämlich in die Gegend
grad wie du,
grad wie du.
 
 
 
 
Abendfrieden

Die Oma murmelt leise vor sich her —
sie spricht mit Opa, doch den gibt's nicht mehr...
Im Bettchen nebenan schläft süß das Kind;
die Mutter strickt, der Vater spinnt..
 
 
Zu spät

Die alten Zähne wurden schlecht,
und man begann, sie auszureißen,
die neuen kamen grade recht,
um mit ihnen ins Gras zu beißen
 
 
 
 
 
Der Schmetterling


Es war einmal ein buntes Ding
ein so genannter Schmetterling.

Der flog wie alle Falter
recht sorglos für sein Alter.

Er nippte hier – er nippte dort
und war er satt, so flog er fort.

Flog zu den Hyazinthen
und schaute nicht nach hinten.

So kam´s, daß dieser Schmetterling
verwundert war, als man ihn fing.

 

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